Die professionelle Pflegeentwicklung in Deutschland hat in den letzten Jahren einen eher schleichenden Verlauf erfahren. Mit der „Primäre Pflege“ wird ein Meilenstein für eine professionelle Entwicklung in der Pflege gesetzt. Es geht nicht mehr um eine aufgabenorientierte Pflege, in der eine Pflegekraft um den Patienten herum Tätigkeiten verrichtet. „Primäre Pflege“ bedeutet viel mehr. Es geht um die Übernahme einer Prozessverantwortung. Der Weg von einer mehr oder minder diffusen Gruppenverantwortung, die zumeist nur über eine Schicht reicht, hin zu einer persönlich verankerten, kontinuierlichen Verantwortung über einen gesamten pflegerischen Prozess, von der Aufnahme eines Patienten bis zu seiner Entlassung. Die primäre Pflegekraft ist der Fallmanager.
Das Caritas-Krankenhaus St. Josef hat sich für das Pflegeorganisationssystem der Primären Pflege (Primary Nursing) entschieden. Das bedeutet: Der Patient kommt auf die Station und bekommt eine primäre Pflegekraft zugeteilt. Diese stellt sich bei Ihm vor und übernimmt den kompletten Pflegeprozess. Sie führt gemeinsam mit ihm eine professionelle Planung der pflegerischen Maßnahmen und des gesamten Patientenaufenthaltes durch. Sie ist für die Pflege des ihr zugewiesenen Patienten und für die Abläufe seines stationären Aufenthalts verantwortlich. Sie ist die Koordinatorin des Behandlerteams und erhält somit alle notwendigen Informationen, um einen optimalen und effizienten Behandlungsablauf zu garantieren. Die primäre Pflegekraft begleitet den Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung als Prozessverantwortliche und ist somit der Fallmanager. Während ihrer Abwesenheit führt die vertretende Pflegekraft die Maßnahmen nach ihren geplanten Angaben durch. Die Verantwortlichkeiten sind dadurch geklärt, Patienten und Angehörige haben einen direkten Ansprechpartner. Das nimmt die Angst vor ungewohnten Begegnungen in einem Krankenhaus und vermittelt ein gutes Gefühl der Sicherheit.
Es geht um eine innere Haltung der Pflegenden, die – neben fachlicher Kompetenz – als ein offenes, reflektiertes Sich-Einlassen auf eine professionelle Beziehung zum Patienten beschrieben werden kann. Damit Pflegende diese innere Haltung entwickeln können, muss die Stations- und Institutionskultur von Offenheit, Vertrauen und Respekt geprägt sein. Hier kommt eindeutig die Rolle der Stationsleitung als Führungskraft mit ausgeprägten Führungskompetenzen zum Tragen. Im System der Primären Pflege werden Leistungen transparent, dadurch kann eine individuelle Personalentwicklung erfolgen, die mittelfristig mit einer Qualitätssteigerung einhergeht.
Vorteile für den Patienten und seine Angehörigen